JustVespa Alp-Cross Swiss & Italian Alpes 2016

 

JustRide & Rock the Swiss & Italian Alpes

JustWespa Alp-Cross vom Schwarzwald in die Schweizer & italienischen Alpen

 

 

 

 

 

 

 

Etappe Tag 1: Freiburg – Sustenpass – Furkapass – Oberalppass – Thusis

Um 6:20 Uhr startet der Motor – um 6.25 Uhr ging’s los. Und gleich bergauf den Notschrei Pass (1.121 m) im Schwarzwald hoch und über Todtnau, das Wiesental entlang. In Bad Säckingen ging’s über den Rhein in die Schweiz. Über den Boxberg Pass (623 m) – Brugg, Bremgarten, in der Ferne kamen die schneebedeckten alpinen Berge immer näher… Zug – entlang des schönen Zuger Sees – Schwyz – dem Vierwaldstätter See – nach Erstfeld. Nun waren die Berge direkt vor mir und nach wenigen Kilometern ging es rechts ab – zum 1. großen Pass über 2.000 m.

Nach rund 215 km begann ab Wassen endlich der Kurven-Spaß, der erste 2.000er Pass stand an. Der Sustenspass (2.260 m) machte gleich über 45 km mit 23 Kehren umringt von atemberaubender Landschaft, Blick auf schneebedeckte Gipfel und Gletscher, mächtig Spaß. Es ging gleich weiter mit 30 Kehren auf 16 km über den Grimselpass – entlang der Stauseen hinauf und mit dem gigantischen Blick auf dem Furkapass und dem Rest des Rhöne-Gletschers hinab.

Der Grimselpass – für mich heute mit den vielen Seen und dem Blick auf den Rhonegletscher sicher der eindrucksvollste Pass. 

Auch bei der Auffahrt des Furkapasses (2.436 m) von Gletsch hat man die ganze Zeit der Blick auf den Rhöne-Gletscher – gigantisch und bedenklich angesichts der starken Schmelze des Gletschers.
Nach der langen, kurvigen und teilweise engen Abfahrt und insgesamt 30 Kehren konnte ich mir die Gotthard Passhöhe nicht entgehen lassen und bog nach 325 km in Hospital noch nach oben ab.
Ab diesem Zeitpunkt änderte sich das Wetter rapide – Wolken zogen ein und teilweise stürmischer Wind blies…
Einheimische rieten mir schnellstens in den Osten zu fahren, um die Gewitterfront für heute zu entgehen. Also „stürzte“ ich mich zurück ins Tal und ab Andermatt über den Oberalppass wieder hinauf – über den letzten 2.000er Pass des Tages. Durch Glück hatte ich das Vergnügen die Matterhorn-Gotthard Bahn ein kurzes Stück zu begleiten – bis diese an der Passhöhe im Tunnel verschwand.

Mit dunklen Wolken im Nacken führte mich der Pass mit herrlichen Kurven und nach 24 Kehren nach Disentis. Die heftig aufkommenden Orkanwinde machten die Fahrt das Vorderrhein Tal hinunter über Laax / Flims sehr unruhig. Nach 448 km und rund 11:45 h erreichte ich mit den ersten Regentropfen Thusis; und statt Campingplatz ging es ab ins nächste freie Hotel.

Etappen Fakten Tag 1:
Distanz: 448,7 km
Fahrzeit: 11.45 h
Pässe: 6 – 4 Pässe > 2.000 m
Höhenmeter: 8.807 m

 

Tag 2 / Day 2: Thusis – Sa. Bernadino – Splügenpass – Beninapass – Livigno

Die ganze Nacht hatte es geregnet und am Morgen hingen zwar noch Wolken oben in den Bergen, aber es war trocken – noch, denn die Prognose war Starkregen ab Mittag auf den geplanten 230km nach Livigno. Der Start war etwas beschwerlich, da durch einen Großbrand in Thusis Zentrum die beiden einzigen Straßen Richtung San Bernardino gesperrt waren. So musste ich nach kurzer Rücksprache mit einer netten Polizistin ein kurzes Stück Autobahn (ohne Vignette) fahren.

Über die eindrucksvolle Viamala Schlucht, die der Rhein in den Felsen geformt hat, ging es nach Splügen. Da der Sankt Bernardino Pass so nah war, konnte ich die Lust auf die Serpentinen nicht widerstehen. Die Pass-Straße schlängelte sich in kurzen Rampen den Berg hinauf zum See und dem Ospizio S. Bernardino auf 2.056 m.

 Da die heutige Tour Richtung St. Moritz und Livigno war, kehrte ich kurz hinter der Passhöhe mit Blick ins Tessin um, fuhr zurück nach Splügen, um hier den Splügenpass Richtung Italien zu fahren.

Das Wetter wurde deutlich schlechter – trotzdem vor St. Moritz links noch einen Abstecher zum Julierpass und auf die Passhöhe von 2.284 m. Ab hier regnete es und die Tour wurde verkürzt. Statt noch runter nach Tiefencastel und über den Albulapass zurück nach St. Moritz zu fahren, wurde kehrt gemacht und St. Moritz direkt angesteuert.

Unterwegs stürmte und es hagelte sogar. Daher wurde eine Tankstelle in St. Moritz für eine längere Pause genutzt und sich mit Zweirad-Kollegen intensiv für die jeweilige Tour und vor allem die Wetterprognose ausgetauscht.

Als das Wetterradar etwas Besserung zeigte, startete ich Richtung Livigno über die letzten beide Pässe des Tages. Leider wurde der Regen kurz vor der Berninapasshöhe (2.328 m) stärker und änderte sich auch auf dem kurz danach folgenden Grenzübertritt nach Italien nicht. So war leider kein Blick für die schönen Seen mit der Wasserscheide Schwarzes Meer / Adria und die Bernina Gletscher mit dem Piz Bernina (4.049 m). Noch 23km über den Forcola di Livigno (2.315 m) und dann talabwärts auf teilweise leicht gefluteten Straßenabschnitten nach Livigno. Völlig durchnässt erreichte ich nach 233 km die Bed & Breakfast Unterkunft am Ortsanfang – mit einem Wäschetrockner für meine nassen Klamotten.

 

 

 

 

Trotz Regen wieder eine tolle Fahrt mit viel Spaß & schönen Landschaftseindrücken.

 

 Etappen Fakten Tag 2:
Route: Thusis (Switzerland) – Livigno (Italy)
Distanz: 233 km
Fahrzeit: 8:04 h / 40 min Regenstopp
6 Pässe: S.Bernardino 2.065 m, Splügen 2.113 m, Maloja 1.815 m, Julier 2.284 m, Bernina 2.328 m, Forcala di Livigno 2.315 m
Höhenmeter: 5.453 m
Höchster Punkt: Berninapass 2.328 m

 

 

Tag 3 : Livorno – Stilfserjoch – Fluelapass – Wildhaus

Angesichts der erneut schlechten Wetterprognose und der Vorhersage von Dauerregen ab Mittag (13:00 Uhr), startete ich ohne Frühstück und Kaffee bereits am Morgen um 6:30 Uhr zur Königsetappe mit rund 305 km.

Die Wolken hingen sehr tief und es ist kalt geworden, nachdem es die ganze Nacht geregnet hatte.

Direkt ging es im dichten Nebel, leichtem Nieselregen und unangenehmer Kälte von 5° (es war Juli!!) über die ersten beiden Pässe – Passo d‘ Eira (2.208 m) und Passo di Foscagno (2.291 m) – 39 km mit 11 Kehren nach Bormio.
Nur wenige Meter hinter der Passhöhe – die Wolken rissen plötzlich auf und die Sonne und ein atemberaubendes Tal wurde sichtbar. Mythisch und ein richtiges Wow-Gefühl stellte sich ein! Das Fieren auf den ersten Kilometern und das am Vortag war sofort vergessen.

 

Eine längere Abfahrt führte mich nach Bormio. Hier ging es nun hoch zum für mich schönsten Pass und König der Alpenpässe – dem  Stilfserjoch!
Es war erst 7:30 Uhr, keine „Menschenseele“ auf den kommenden 22 km Anstieg, Serpentinen, Tunnel bis sich ein riesiges Tal öffnet und man im Hintergrund die Passhöhe des Stilfserjoch sehen kann. Zuvor aber noch ein kurzer Abstecher zur Passhöhe des Umbrailpass und einige Meter Fahrt in der Schweiz.

Die letzten 2 km und wenigen Kurven zur Passhöhe des Stilfserjoch auf 2.757 m Höhe waren schnell gefahren. Es ist der zweithöchste asphaltierte Alpenpass (knapp hinter dem Col d’Iseran 2.764 m).

Glücklich genoss ich den sonnigen Blick ins Tal und auf den Ortler – trank einen Espresso mit einem polnischen Motorrad-Fahrer… Leider kündigte der Wetterbericht ab Mittag wieder eine Regenfront an – sogar Schnee auf unter 2.000 m. Daher musste ich mich sputen und fuhr um 9:00 Uhr startend rasch hinunter – genoss aber jede Kurve und immer wieder den schönen Blick auf das Ortler-Massiv.

In Prad im Tal nach 54 km und 82 Kehren angekommen, führte die Strecke zum Reschensee. Kurzer Fotostopp vor der aus dem See herausragenden Kirchturms – und schnell weiter.

 

Die Wolken zogen mit starkem Wind bedrohlich zu – starke Winde kamen auf begleiteten mich weiter über den Reschenpass (1.504 m) nach Österreich. Kurze Schrecksekunde hinter Nauders, als der Motor plötzlich zu stottern anfing und aus ging. Kurze Überprüfung, Tank war voll, Zündkerze getauscht … und zum Glück lebte der Motor dann wieder auf!

Von Österreich in die Schweiz zurück – rund 50 Kilometer durch das Inn-Tal im Unterengadin bis nach Susch. Leider öffnet auf diesem Abschnitt der Himmel schon seine „Tore“, es fing an zu regnen – und das bis zu meinem späteren Etappenziel.

Der Flüelapass mit 27 km, 17 Kehren und der Passhöhe von 2.383 m stand nun an und ich war gespannt, ob mich oben der angesagte Schnee erwartete. Zum Glück nicht, aber auf dem Stilfserjoch schneite es am Nachmittag, Abend und Nacht, so dass die Passhöhe am Folgetag eine Schneedecke hatte.

Die Wolken hingen tief und die Temperaturen sanken, je höher ich den Pass fuhr. Im Regen und Nebel völlig durchnässt erreichte ich die Flüelapasshöhe auf 2.383 m.

Im Nebel und Regen und völlig durchnässt erreichte ich die letzte Passhöhe über 2.000 m – Flüelapasshöhe liegt bei 2.383 m.

Kurzer Espresso und etwas Wärme, eine Mülltüte unter die Jacke gezogen, bevor ich auf glitschiger Straße und mit wenig Sicht hinunter nach Davos fuhr – mit der Hoffnung auf besseres, wärmeres Wetter… War aber nicht so! Der Regen blieb und wurde phasenweise stärker, so dass ich mir hinter Klosters einen zusätzlichen Regenoverall kaufte und „mich trocken legte“. Nachdem ich noch durch Lichtenstein (dem 5. Land der Tour) und Vaduz fuhr, begann meine Suche nach einer warmen, trockenen Unterkunft.

Leider war das nicht so einfach, denn die Hotels der gesamten Gegend waren ausgebucht oder extrem teuer. Einzig in Waldhaus fand ich eine Unterkunft zum vernünftigen Preis.

Was mir nicht bewusst war – das Hotel lag auf einem Berg und auf einer Passhöhe von 1.090 m – in Waldhaus (Toggenburg / CH). Es frierte mich extrem auf den letzten der 308 Tageskilometer, so dass ich nach Check-in schnellstens in die Hotel-Sauna verschwand…

Etappen Fakten Tag 3:

Route: Livigno (Italy) – Bormiao – Reschenpass – Davos – Wildhaus (Switzerland)
Distanz: 307,4 km
Fahrzeit: 10.30 h / mit mehrere Pausen: Motor-Check, Regen…
8 Pässe: Pso. d. Eira (2.208 m), Pso. di Foscagno (2.291 m), Umbrail (2.501 m – vom Stilfserjoch angefahren), Stiflserjoch (2.757 m), Reschen(1.507 m), Finsternünz (1.188 m), Flüela (2.383 m), Wildhaus (1.090 m)
Höhenmeter: 6.941 m
4 Länder: Italien Austria, Lichtenstein, Schweiz
Höchster Punkt : Stilfserjoch 2.757 m

Etappe 4: Wildhaus – Feldberg – Freiburg

Da bis Mittag Regen angesagt war, wurde die letzte Etappe verkürzt, Appenzeller Land und Säntis wurden gestrichen, stattdessen Freiburg auf direktem Weg angesteuert.
Im strömenden Regen bei nur 4° startete ich gut eingepackt in Wildhaus / Toggenburg, dem Heimatort des „goldigen“ Skispringers Simon Ammann.

Über Frauenfeld und weiter nach Schaffhausen zu den Rheinfällen führte die Strecke. War der Rhein bei Etappe bei Disentis und Splügen 1 & 2 noch ein kleiner „Bach“, so war dieser hier ein reißender Fluss.

Nach Schaffhausen kehrte ich in Stühlingen nach Deutschland zurück und der Schwarzwald mit den letzten drei Pässen stand an. Am Schluchsee vorbei wurde zuerst der Feldbergpass (1.233 m, höchster Pass des Schwarzwalds) überfahren, danach über Todtnau zuerst der Notschrei-Pass (1.120 m) und kurz darauf der Schauinslandpass (1.200 m). Nun ging es 18 km auf der Passstraße und zugleich historischen ADAC Bergrennstrecke ins Tal nach Freiburg. Auf dem Freiburger Münsterplatz beendete ich die Tour bei Sonnenschein und mit einem Glas badischen Gutedel.

 

Etappen Fakten Tag 4:
Route: Wildhaus (Switzerland) – Schaffhausen – Feldberg – Todtnau – Freiburg (Germany)
Distanz: 211,7 km
Fahrzeit: 5:45 h
Pässe: 3; Feldberg (1.233 m), Notschrei (1.121 m), Schauinsland (1.200 m)
Höhenmeter: 2.399 m
Höchster Punkt: Feldberg (1.233 m)

Abschließend:

Es war wieder eine sehr eindrucksvolle, aber auch anstrengende Tour angesichts des vielen Regens und der Kälte. Viele der 23 Pässe mussten leider recht zügig gefahren werden. Toll waren die vielen Begegnungen mit Motorrad oder Radfahrern… aber auch die vielen unterschiedlichen Landschaften und Bergpanorama.
Glück hatte ich in der Hinsicht, dass Orte, an denen ich am Vortag noch gefahren bin, tags später Schnee bedeckt waren.
Und dass die Vespa so bravourös durchgehalten hat – nur ein Motorstotterer am 3. Tag, der an einer defekten Zündkerze lag.

Trotz der gerade gefahrenen 1.200 km juckt es schon wieder, die nächste Alpentour zu planen und gleich wieder loszufahren – ganz dem Motto:

JustRide & JustEnjoy

 

Zahlen der Tour

Gesamtkilomter / overall kilometers: 1.200,8 km

Gesamtfahrtdauer / overall travel time: 36:04 h:min

Gesamtaufstieg / overall ascension: 23.600 m

Höchster Streckenpunkt / highest travel point: 2.757 m Stiflserjoch / Italy

Vespa Modell: Vespa P200E / 1983

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